Geht lauter

Ein Schritt noch. Ein Schritt noch hätte gefehlt und der junge Polizist weiß nun beim nächsten Mal wie man Menschen gegen ihre Gewohnheit in Sachverhalte wickelt die ins konstruierte Bild passen sollen. Er stand da, allein am Rand, in genau der Entfernung, in der er den Überblick über die Situation hatte, sagen konnte er habe alles gesehen völlig allein auf einem Gehwegstreifen,  so allein um sagen zu können allein gelassen worden zu sein. Und wäre er nicht allein auf diesem Streifen Boden gestanden hätte er es dem alten Polizisten gleich tun können. Er hätte wie dieser mit oder ohne Absicht ein Stück näher kommen können, um dann die Hände hoch zu reißen. Nur dumm, das nichts passiert ist? Nein, es ist dumm dass das die Wahrheit über die Polizei im Jahre 2016 ist.

Ist Kirche ein Geschäftsmodell 2016?

Müssen Kirchenbänke bequem sein?

Allerorten rücken Kirchen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Mal weil sie da sind und gut besucht, mal weil keiner kommt, mal weil sie neu entstehen sollen, mal weil sie zu Kirchen- und zuweilen auch zu Cafés anderer Weltanschauung umgearbeitet wurden.

Als ich in der letzten Woche auf den Kirchenstufen in Rheydt meinen Pappbecherkaffee trank wurde mir klar, dass dies ein Punkt von durchaus gesellschaftlicher Bedeutung ist.

Wer darf auf den Kirchenstufen sitzen?

Ist von Kirche allein ein Geschäftsmodell geblieben? Bei der Nutzung privater und andersgläubiger Menschen mit der Absicht Geld zu verdienen, die Menschen wegschicken, wenn sie dort einfach nur Platz nehmen, sicher.

Es gibt toll restaurierte Kirchen, sakrale Kunst, Glauben, Zusammenkommen alles an einem Ort. Es gibt auch die anderen Kirchenräume, unter freiem Himmel, wenig besuchte geöffnete Kirchen, die zum Nachdenken, Verweilen, Ausruhen einladen.Und es gibt Kirchenräume die saniert unbehaglich wirken. Ich selbst saß auf einer solchen Kirchenbank, den Rücken ungeschützt im zugigen Raum, mit der Behaglichkeit eines Hockers.

Draußen am See ist Kirche auf ein Element zurückgeworfen. Ganzkörpertaufen sind für mich befremdlich, da die Symbolhaftigkeit mit geweihtem Wasser beträufelt zu werden, bei  einem Eintunken in einen See nicht mehr vorhanden ist. Es erinnert mich mehr an Hineinwerfen in eine Kühle als an eine stützende Erinnerung des besonderen Momentes der Aufnahme in eine Gemeinschaft. Wie die Täuflinge es selbst erfahren habe, weiß ich nicht.Hier wurde die Glaubensgemeinschaft zu Umstehenden, nur manche fanden einen Platz auf den Bierbänken oder hatten sich Picknickausrüstung mitgebracht.

Macht der geschützte Raum den Unterschied? Einen Ort bereitzuhalten, der einlädt zusammenzukommen, sich auszutauschen, ansprechbar zu sein. Unter freiem Himmel ist die Antwort klar: Jeder kann hier sprechen, kommunizieren, Teil haben. Nur der Himmel ist ein gedankliches Dach und kein Schutz vor Witterung. Es macht einen Unterschied im Wind zu stehen oder unter einem schützenden Dach, auch für ein Gespräch.